Fünf Starts in sieben Tagen: Was der Raumfahrtverkehr für ISS-Beobachter bedeutet
Jedes Mal, wenn eine Rakete ins All startet, gelangen neue Objekte auf die immer dichter befahrene Autobahn im erdnahen Erdorbit. Die jüngste Häufung von fünf orbitalen Starts innerhalb von nur sieben Tagen, angeführt von SpaceX' Falcon 9 und Chinas Trägerrakete Chang Zheng 6A, spiegelt ein beispielloses Betriebstempo wider. Für alle, die den Nachthimmel von ihrer Stadt aus beobachten, verändert diese rege Aktivität die Art und Weise, wie wir Lichter am Himmel identifizieren, und wirft wichtige Fragen zur Sicherheit des bewohnten Orbitalkomplexes auf.
Was passiert ist
Die Raumfahrt erlebte zuletzt eine außergewöhnliche Konzentration orbitaler Operationen in kürzester Zeit. Wie das Fachportal NASASpaceflight berichtet, koordinierten die internationalen Flugpläne bis zu fünf Missionen in einer einzigen Woche – vor allem angetrieben von den beiden führenden Raumfahrtnationen der Erde: den USA und China.
Auf asiatischer Seite stand die Trägerrakete Chang Zheng 6A (Langer Marsch 6A) im Mittelpunkt. Diese mittelschwere Rakete zeichnet sich durch ihr Hybriddesign aus, das eine mit Flüssigtreibstoff betriebene Kernstufe mit vier seitlich angebrachten Feststoffboostern kombiniert. Diese Konfiguration verleiht den chinesischen Raumfahrtbehörden die nötige Leistung und Flexibilität, um schwere Nutzlasten in sonnensynchrone Umlaufbahnen zu befördern. Die Mission ist Teil der Strategie Pekings, eigene Megakonstellationen von Telekommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten aufzubauen und die orbitale Logistik der eigenen Raumstation Tiangong sicherzustellen.
Im Westen wiederum gibt das US-Unternehmen SpaceX mit seiner wiederverwendbaren Falcon-9-Rakete weiterhin den Takt vor. Dieser Träger hat sich dank der Fähigkeit, die erste Stufe zu bergen und erneut einzusetzen, als tragende Säule der kommerziellen Raumfahrtindustrie etabliert. Die hohe Startfrequenz der Falcon 9 ist auf den massiven und kontinuierlichen Ausbau des Starlink-Satelliteninternetnetzwerks zurückzuführen, kombiniert mit Frachttransporten für private Kunden und Regierungsbehörden. Was vor Jahren noch als außergewöhnlicher Meilenstein galt – mehrere Raketenstarts innerhalb weniger Tage –, ist heute im erdnahen Orbit zur alltäglichen Betriebsroutine geworden.
Warum das wichtig ist
Über die reinen Branchenzahlen hinaus hat diese hohe Startfrequenz direkte Auswirkungen auf das dynamische Umfeld des erdnahen Erdorbits (LEO) – genau jener Region, in der auch die Internationale Raumstation kreist. Laut den Echtzeitdaten unseres Trackers fliegt die ISS derzeit in einer durchschnittlichen Höhe von 439 km über der Erdoberfläche und bewegt sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von 27.528 km/h. Bei diesem Tempo umrundet die Station die Erde etwa alle 90 Minuten einmal.
Diesem Umfeld in so kurzen Abständen Dutzende neue Satelliten und Raketenoberstufen hinzuzufügen, erfordert eine ständige Koordination und telemetrische Bahnverfolgung. Die Ansammlung aktiver Objekte und Raketentrümmer erhöht das Risiko von Konjunktionen im All – also Situationen, in denen sich zwei Objekte im Orbit gefährlich nahe kommen. Wird eine neue Gruppe von Satelliten ausgesetzt, müssen deren anfängliche Umlaufbahnen millimetergenau katalogisiert und verfolgt werden, um sicherzustellen, dass sie sich nicht unerwartet mit der Flugbahn des internationalen Komplexes kreuzen.
Dieses orbitale Verkehrsmanagement ist für die Sicherheit der Besatzung von entscheidender Bedeutung. Die ISS ist seit November 2000 dauerhaft von internationalen Besatzungen bewohnt, die alle paar Monate wechseln. Wenn du wissen möchtest, wer sich gerade an Bord befindet und welche Missionen durchgeführt werden, kannst du dir das detaillierte Profil der aktuellen Besatzung an Bord ansehen. Der Schutz dieser Crewmitglieder hängt direkt davon ab, dass Raumfahrtagenturen wie die NASA und ihre internationalen Partner unerwünschte Annäherungen frühzeitig erkennen und bei Bedarf Bahnkorrekturmanöver einleiten können.
Was du am Himmel sehen kannst
Für Beobachter am Boden bedeutet eine Zunahme der Raketenstarts direkt mehr sichtbare Aktivität am Himmelszelt – aber auch potenzielle Verwechslungen. Häufig erblicken Beobachter nach einem Falcon-9-Start für das Starlink-Netzwerk eine perfekt aufgereihte Kette hell leuchtender Punkte, die über den Nachthimmel zieht. Dieses Phänomen, bekannt als „Starlink-Satellitenzug“, wird nicht selten fälschlicherweise als unidentifiziertes Flugobjekt gemeldet oder gar mit dem Überflug der Raumstation selbst verwechselt.
Die Internationale Raumstation von diesen neuen Satellitenaussetzungen zu unterscheiden, ist jedoch ganz einfach, wenn du weißt, worauf du bei deinen nächtlichen Beobachtungen achten musst:
- Helligkeit und Magnitude: Die ISS ist mit Abstand das hellste künstliche Objekt am Nachthimmel. Dank ihrer riesigen Solarpaneele reflektiert sie das Sonnenlicht so stark, dass sie extreme Helligkeitswerte erreicht (oft konkurriert sie mit der Helligkeit der Venus). Frisch gestartete oder kleinere Satelliten sind deutlich lichtschwächer.
- Flugbahn und Beständigkeit: Die Raumstation zieht als konstanter, weißer und nicht blinkender Lichtpunkt über das Firmament und benötigt zwischen 3 und 6 Minuten für einen vollständigen Überflug von Horizont zu Horizont. Satellitenzüge hingegen bewegen sich in den ersten Stunden oder Tagen nach dem Start in dichter Einerreihe und driften erst nach und nach auseinander, während sie ihre Einsatzhöhe ansteuern.
- Einzelnes Objekt vs. mehrere Lichter: Abgesehen von Phasen, in denen sich ein Frachtschiff oder eine bemannte Kapsel im Kopplungsmanöver befindet, zieht die ISS als einzelner, markanter Lichtpunkt ihre Bahn. Siehst du eine Reihe gruppierter oder aufgereihter Punkte, beobachtest du die Anfangsphase einer neuen Satellitenkonstellation.
Wenn du deine Himmelsbeobachtungen treffsicher planen möchtest, empfehlen wir dir unseren Leitfaden zur ISS-Beobachtung, in dem wir die Grundlagen zu Sichtbarkeit, Horizonthöhe und visueller Magnitude erklären. Um keinen günstigen Überflug von deinem genauen Standort aus zu verpassen, kannst du außerdem prüfen, zu welcher Uhrzeit die ISS in den kommenden Tagen über deine Region fliegt.
Der Weltraum ist belebter denn je, doch das größte von Menschenhand geschaffene Bauwerk am Himmel zu identifizieren, bleibt ein faszinierendes Erlebnis. Nutze gerne unseren Echtzeit-Tracker, um die genaue Position der ISS auf der Weltkarte zu verfolgen und zu erfahren, wann es sich lohnt, den Blick zu den Sternen zu richten.
Quelle: NASASpaceflight ↗