Die ISS hat Funk an Bord – und du kannst ihn von zu Hause aus hören
Die Internationale Raumstation hat seit dem Jahr 2000 Amateurfunkstationen an Bord. Betrieben werden sie von ARISS (Amateur Radio on the International Space Station), einem Programm der Amateurfunkverbände und der Raumfahrtagenturen. Viele Astronauten haben eine Amateurfunklizenz und nutzen sie, um mit Schulen auf der ganzen Welt zu sprechen; wenn keine Kontakte geplant sind, bleibt das Funkgerät meist als Relais eingeschaltet, damit Funkamateure über die Station miteinander sprechen können.
Zum Zuhören brauchst du weder eine Lizenz noch teure Ausrüstung: Ein Empfänger für etwa 30 € genügt, dazu das Wissen, wann die Station über deinem Horizont steht. Anders als bei der Beobachtung mit bloßem Auge muss es für den Funkempfang nicht dunkel sein: Jeder Überflug eignet sich, und davon gibt es täglich mehrere.
💡 Der Rechner oben zeigt dir, wann die ISS in Reichweite ist und – solange sie über deinem Horizont steht – auf welche Frequenz du genau einstellen musst.
Funkfrequenzen der ISS
| Betriebsart | Empfang auf | Details |
|---|---|---|
| Sprachrelais (FM) | 437,800 MHz | Die Betriebsart, die am längsten aktiv ist. Uplink auf 145,990 MHz mit 67-Hz-Ton, nur mit Lizenz. |
| Sprechfunk: Schulen und Besatzung | 145,800 MHz | Nur während der Kontakte. Uplink auf 145,200 MHz (Europa, Afrika und Russland) oder 144,490 MHz (Amerika, Asien und Ozeanien). |
| APRS (Daten) | 437,825 MHz | 2026 im Testbetrieb. Die altbewährte Frequenz ist 145,825 MHz. |
| SSTV (Bilder) | 437,550 MHz | Nur bei angekündigten Events, im Modus Robot36. Bis 2025 wurde 145,800 MHz im Modus PD120 genutzt. |
| HamTV (Video) | 2.395 MHz | Digitalfernsehen nach DVB-S. Dafür brauchst du eine Parabolantenne. |
Die Rufzeichen der Station lauten NA1SS (USA), RS0ISS (Russland) sowie DP0ISS, OR4ISS und IR0ISS (Europa). Diese Angaben hat ARISS mit Stand 25. September 2026 veröffentlicht. Die Funkgeräte werden manchmal wegen Außenbordeinsätzen, Manövern oder der Ankunft von Raumschiffen abgeschaltet: Bevor du zum Zuhören rausgehst, prüf den aktuellen Status der Stationen.
Was du in den einzelnen Betriebsarten hörst
- Schulkontakte. ARISS organisiert zwischen 60 und 100 pro Jahr: Etwa zehn Minuten lang stellen Schülerinnen und Schüler einem Astronauten per Funk ihre Fragen. Liegst du beim Überflug ebenfalls in Reichweite, hörst du die Antworten des Astronauten auf 145,800 MHz, selbst wenn die Schule in einem anderen Land liegt. Termine und Uhrzeiten stehen im ARISS-Kontaktplan, und viele Kontakte werden live im Internet übertragen.
- Sprachrelais. Funkamateure aus einem halben Kontinent, die sich im Eiltempo rufen und grüßen: Sie nennen Rufzeichen und Standort und geben sofort weiter, denn der Überflug dauert keine zehn Minuten.
- APRS. Kurze Datenpakete, die wie Pieptöne klingen. Mit einer Decoder-App siehst du die Nachrichten und Positionen, die Funkamateure senden und die ISS weiterleitet.
- SSTV. Bei angekündigten Events sendet die Station Bilder per Funk, mit etwa zwei Minuten Pause zwischen zwei Bildern. Mit einer SSTV-Decoder-App auf dem Handy, das du nah an den Lautsprecher des Empfängers hältst, baut sich das Bild Zeile für Zeile auf. ARISS stellt allen, die ein empfangenes Bild in die SSTV-Galerie hochladen, ein elektronisches Zertifikat aus.
Was du zum Hören brauchst
- Einen FM-Empfänger für das 2-m- und das 70-cm-Band. Geeignet ist ein Dualband-Handfunkgerät für den Amateurfunk (VHF/UHF) oder ein Scanner. Die einfachsten Modelle kosten etwa 30 €.
- Oder einen USB-SDR. Ein RTL-SDR-Empfänger (etwa 30–40 €) an einem Computer oder einem Android-Handy, mit einem Programm wie SDR++, SDR# oder SDR Touch. Der Vorteil: Du siehst das Signal auf dem Bildschirm und kannst der Doppler-Verschiebung leicht folgen.
- Eine bessere Antenne als die mitgelieferte. Bei hohen Überflügen reicht die Serienantenne. Eine Dualband-Hand-Yagi oder eine selbst gebaute Viertelwellenantenne macht bei niedrigen Überflügen den Unterschied.
- Wissen, wann sie vorbeikommt. Genau dafür gibt es den Rechner auf dieser Seite: Er sagt dir, wann und wo sie auftaucht und welche Frequenz du nutzen solltest.
📜 Das Abhören der Amateurfunkbänder ist in den meisten Ländern erlaubt. Um zur ISS zu senden, brauchst du dagegen eine Amateurfunklizenz: Ohne sie heißt es nur zuhören.
Schritt für Schritt: dein erster Funk-Überflug
- Wähle ein hohes Fenster. Such dir in der Liste oben eines mit einer maximalen Höhe von 30° oder mehr: Je höher, desto stärker und länger ist das Signal.
- Stell die Frequenz ein. Schalte den Empfänger auf Schmalband-FM (NFM) und stell 437,800 MHz für das Relais ein oder 145,800 MHz, wenn gerade ein Schulkontakt läuft. Dreh die Rauschsperre (Squelch) ganz herunter.
- Gleiche den Doppler-Effekt aus. Die Station bewegt sich mit etwa 7,7 km/s. Beim Aufgang kommt das Signal höher als die Nennfrequenz an: etwa 10 kHz höher auf 437,800 MHz und etwa 3,5 kHz höher auf 145,800 MHz. Am höchsten Punkt stimmt es mit der Nennfrequenz überein, und wenn sich die Station entfernt, liegt es darunter. Auf 145,800 MHz verkraften das fast alle FM-Empfänger, ohne dass du etwas nachstellen musst; auf 437,800 MHz lohnt es sich, in 5-kHz-Schritten nach unten zu gehen. Solange die ISS über deinem Horizont steht, liefert dir der Rechner oben die korrigierte Frequenz sekundengenau.
- Ausrichten und nachführen. Richte die Antenne dorthin, wo die Station auftaucht, und führe sie über den Himmel nach. Wenige Grad über dem Horizont, zu Beginn und am Ende, geht das Signal hinter Gebäuden und Bergen verloren; wird es mitten im Überflug schwächer, dreh die Antenne um ihre eigene Achse.
- Nimm den Ton auf. Auch wenn du live nicht alles verstehst, kannst du es dir später in Ruhe anhören oder dekodieren, falls es APRS oder SSTV war.
Die ISS ohne Funkgerät hören
Hast du keinen Empfänger, hilft dir das SatNOGS-Netzwerk: Freiwillige betreiben dort Bodenstationen, die Satellitenüberflüge aufzeichnen und zu jeder Beobachtung Audio und Spektrum veröffentlichen. Die ISS-Aufnahmen findest du über ihre NORAD-Nummer 25544. Und im ARISS-Kontaktplan steht, welche Schulkontakte live auf YouTube übertragen werden.
Kurz gefragt
Brauche ich eine Lizenz, um die ISS zu hören?
In den meisten Ländern nicht: Das Abhören der Amateurfunkbänder ist frei. Eine Lizenz brauchst du erst zum Senden.
Warum höre ich nur Rauschen?
Meist ist das Funkgerät der Station aus oder in einer anderen Betriebsart (prüf den Status bei ARISS), der Überflug ist zu niedrig oder du gleichst den Doppler-Effekt auf 437,800 MHz nicht aus. Versuch es mit einem Überflug über 30° und der korrigierten Frequenz aus dem Rechner.
Kann ich mit den Astronauten sprechen?
Nur mit Amateurfunklizenz, und selbst dann ist es schwierig: Die langen Kontakte sind die geplanten Schulkontakte. Hin und wieder funkt ein Astronaut kurz mit Funkamateuren auf 145,800 MHz.
Wie oft ist die ISS in Reichweite meines Funkgeräts?
Mehrmals am Tag. Die Station fliegt in etwa 400 km Höhe, und wenn sie über deinem Horizont auftaucht, deckt sie einen Kreis mit mehr als 2.000 km Radius ab. Die Liste oben zeigt dir die genauen Fenster für deinen Standort.
Wo ist die ISS gerade?
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