Wie du die ISS mit Smartphone oder DSLR fotografierst
Die Internationale Raumstation ist eines der wenigen Objekte am Nachthimmel, die sich auch ohne Teleskop hervorragend fotografieren lassen. Sie leuchtet extrem hell, bewegt sich vorhersehbar und erfordert keinen vollkommen dunklen Himmel. Was du allerdings brauchst: Die Kamera muss bereit sein, bevor der Überflug beginnt – denn in drei Minuten bleibt keine Zeit zum Improvisieren.
Entscheide zuerst, welches Foto du willst
Es gibt zwei mögliche Ansätze, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Es lohnt sich also, die Entscheidung vor dem Aufbruch zu treffen.
Die Lichtspur. Eine Langzeitbelichtung, bei der die ISS als durchgehende Leuchtlinie durchs Bild zieht. Das ist die klassische, dankbarste Aufnahme, die auch mit einfacher Ausrüstung gelingt.
Die Raumstation im Detail. Erkennbare Solarmodule und einzelne Module. Das erfordert ein Teleskop mit Nachführung und reichlich Übung – für die erste Nacht ist das kein realistisches Ziel.
In dieser Anleitung geht es um die erste Variante, die du schon diese Woche erfolgreich umsetzen kannst.
Mit dem Smartphone
Jedes halbwegs moderne Smartphone eignet sich dafür – unter zwei unverzichtbaren Voraussetzungen: ein manueller Modus (oder Nachtmodus mit manueller Belichtungssteuerung) und ein stabiler Stand. Ohne Stativ geht nichts; eine Mauer, ein Geländer oder ein Rucksack auf dem Boden können zur Not aushelfen, wenn der Winkel stimmt.
- Pro- oder manueller Modus, niemals Automatik: Die Automatik belichtet den Nachthimmel falsch und du siehst am Ende nichts.
- Belichtungszeit von 15 bis 30 Sekunden. Je länger belichtet wird, desto länger ist die Spur, aber desto mehr städtische Lichtverschmutzung fängst du auch ein.
- ISO zwischen 400 und 800. Höhere Werte sorgen nur für unnötiges Bildrauschen.
- Manueller Fokus auf unendlich. Der Autofokus findet im Dunkeln keinen Halt und liefert unscharfe Bilder.
- 3-Sekunden-Selbstauslöser, damit das Antippen des Auslösers die Belichtung nicht verwackelt.
Falls dein Smartphone über einen speziellen Modus für Langzeitbelichtung oder Lichtspuren verfügt, nutze ihn: Er ist genau für solche Situationen gedacht.
Mit Spiegelreflex- oder Systemkamera
Hier hast du deutlich mehr Spielraum. Ein Weitwinkelobjektiv zwischen 14 und 24 Millimetern ermöglicht es dir, die gesamte Flugbahn in einer einzigen Aufnahme einzufangen.
- Manueller Modus und offene Blende, f/2,8 oder das lichtstärkste, was dein Objektiv bietet.
- ISO 800 bis 1600, abhängig von der Lichtverschmutzung deines Himmels.
- Belichtungszeiten von 20 bis 30 Sekunden, lückenlos hintereinander aufgenommen per Fernauslöser oder Intervallauslöser.
- RAW-Format, unverzichtbar, wenn du die Einzelbilder später stacken möchtest.
Die Methode mit den besten Ergebnissen besteht darin, während des gesamten Überflugs Serienaufnahmen zu machen und die Bilder anschließend mit kostenloser Software zu überlagern (Stacking). Das Resultat ist eine einzige, extrem lange Lichtspur von Horizont zu Horizont, die mit einer Einzelexposition unmöglich wäre.
Die Bildkomposition macht den Unterschied
Ein weißer Strich vor schwarzem Hintergrund ist zwar technisch korrekt, aber unspektakulär. Wirklich packende Fotos entstehen, wenn sich etwas Wiedererkennbares im Bildausschnitt befindet: ein Turm, die Silhouette eines Baumes, eine Kirche, ein Bergrücken oder das Meer. Dieses Element im Vordergrund verleiht Tiefe und Maßstab – und verwandelt einen simplen Sensornachweis in ein echtes Bild.
Dazu musst du wissen, wo die Raumstation vorbeizieht, bevor sie auftaucht. Hier kommt das Azimut der Vorhersage ins Spiel: Es verrät dir, aus welcher Himmelsrichtung sie kommt und wohin sie fliegt. So kannst du dein Stativ gezielt ausrichten und den Himmelsabschnitt zusammen mit deinem gewählten Vordergrundmotiv ins Bild setzen.
Vorbereitung: Die zehn Minuten, auf die es ankommt
Prüfe den Überflug mit dem Überflugzeiten-Rechner und merke dir Startzeit, maximale Höhe sowie Ein- und Austrittsrichtung. Halte nach Überflügen mit einer Höhe von über 40 Grad Ausschau: Sie liefern längere und deutlich hellere Lichtspuren.
Sei zehn Minuten vorher vor Ort. Baue das Stativ auf, wähle den Bildausschnitt, stelle mithilfe der Display-Lupe an einem hellen Stern manuell auf unendlich scharf und mach ein Testfoto, um die Belichtung zu prüfen. Sobald die ISS auftaucht, bleibt keine Zeit mehr für Korrekturen.
Und denke an etwas, das fast jeden überrascht: Es kann gut sein, dass die Raumstation mitten im Flug plötzlich erlischt, wenn sie in den Erdschatten eintaucht. Die Lichtspur bricht dann abrupt ab. Das ist kein Kamerafehler – und bei gelungener Bildkomposition sieht das sogar spektakulär aus.
Mit dem Echtzeit-Tracker kannst du überprüfen, ob die Flugbahn heute Nacht wie erwartet verläuft, und in der Beobachtungsanleitung findest du alle Details zu Helligkeit und Sichtbarkeit, die du parat haben solltest.
Mit einem Stativ, dreißig Sekunden Belichtungszeit und einem hohen Überflug gelingt dir das erste gelungene Foto schon in der ersten oder zweiten Nacht.
Bilder: Titelbild, Milky Way by John Fowler — John Fowler (CC BY 2.0). Beitrag, International Space Station star trails - JSC2012E039800 — NASA/Don Pettit (Gemeinfrei).
Quelle: ISS Tracker ↗