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Wachwechsel auf der Raumstation: Sojus kehrt zurück und verändert das Bordleben

Wachwechsel auf der Raumstation: Sojus kehrt zurück und verändert das Bordleben

Veröffentlicht am 2026-07-25 · Vom ISS-Tracker-Team

Jedes Mal, wenn ein Raumschiff von der Internationalen Raumstation abdockt, ändert das fliegende Labor nicht nur seine interne Routine, sondern auch sein sichtbares Erscheinungsbild am Nachthimmel. Die bevorstehende Rückkehr einer Sojus-Kapsel zur Erde markiert das Ende einer wichtigen wissenschaftlichen Phase und leitet einen neuen Betriebsabschnitt ein, den man als Satellitenbeobachter im Auge behalten sollte. Wenn du regelmäßig zum Firmament blickst, um nach jenem hellen Punkt Ausschau zu halten, der durch die Nacht zieht, beeinflussen diese Crew-Bewegungen direkt, wie und wann du Überflüge von deiner Stadt aus beobachten kannst.

Was passiert ist

Auf dem orbitalen Komplex steht ein neuer Wachwechsel kurz vor dem Abschluss. Wie das Fachportal Space.com berichtet, beenden NASA-Astronaut Chris Williams und zwei Kosmonauten der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos ihren Aufenthalt im All und treten an Bord eines Sojus-Raumschiffs die Heimreise zur Erde an. Das Rückkehrverfahren ist für die frühen Morgenstunden des kommenden Sonntags, 26. Juli, geplant; zu diesem Zeitpunkt wird sich die Kapsel von der Kopplungsstelle lösen, um ihren Abstieg zu beginnen.

Der Rückkehrprozess zählt zu den komplexesten und präzisesten Manövern der Raumfahrt. Er beginnt mit dem schrittweisen Abdocken des Sojus-Raumschiffs – ein feines Manöver, bei dem das Fahrzeug mit kurzen Triebwerksstößen von der Station wegmanövriert, ohne deren Umlaufbahn zu beeinflussen. Sobald ein Sicherheitsabstand erreicht ist, führt die Sojus die Deorbit-Bremszündung durch. Diese Zündung verringert die Geschwindigkeit so weit, dass die Erdanziehungskraft das Raumschiff in die dichteren Schichten der Atmosphäre zieht.

Während sie mit tausenden Kilometern pro Stunde in die Atmosphäre eindringt, erzeugt die Luftreibung extreme Hitze, die die Kapsel in Plasma hüllt – vollständig abgefangen durch ihren Hitzeschild. Nach dieser kritischen Phase und dem Geschwindigkeitsabbau öffnet sich in rund zehn Kilometern Höhe die Fallschirmsequenz, um den Abstieg weiter zu verlangsamen. Schließlich zünden eine Sekunde vor dem Aufsetzen in der kasachischen Steppe die Bremsraketen am Boden der Kapsel, um den Aufprall abzufedern, sodass die Bergungsteams die Besatzung sicher in Empfang nehmen können.

Warum das wichtig ist

Abgesehen von der technischen Komplexität der Landung verdeutlichen die Abdock- und Wechselmanöver die einzigartige Betriebsstruktur der Internationalen Raumstation. Das Modell der gemeinsamen Flüge zwischen der NASA und Roskosmos stellt sicher, dass stets geschultes Personal beider Agenturen an Bord ist – unabhängig davon, ob der Transport mit einer Sojus-Kapsel oder einem US-amerikanischen Verkehrsraumschiff erfolgt.

Diese Strategie beruht auf einer grundlegenden technischen Notwendigkeit: Die Station ist in zwei voneinander abhängige Segmente unterteilt. Während der russische Sektor den unverzichtbaren Antrieb bereitstellt, um die Bahnhöhe des Komplexes zu halten und Ausweichmanöver vor Weltraumschrott durchzuführen, liefert der US-Sektor über seine riesigen Solarpaneele den Großteil des elektrischen Stroms und verwaltet zudem weite Teile der Lebenserhaltungs- und Kommunikationssysteme. Ohne ein gemischtes Team an Bord würde jeder Zwischenfall in einem Segment die Gesamtsteuerung des Labors gefährden.

Ebenso markieren diese Rückkehrmissionen den Moment, in dem die Ergebnisse monatelanger wissenschaftlicher Arbeit zur Erde zurückgeholt werden. Die Astronauten nutzen die letzten Stunden vor dem Schließen der Luken, um biologische Proben, Proteinkristalle und technologische Experimente einzupacken, die in der Mikrogravitation entstanden sind. Diese Materialien müssen unter streng kontrollierten Temperaturbedingungen in den irdischen Laboren eintreffen, damit die Forschungsteams die Effekte der Weltraumumgebung analysieren können, bevor sich deren Eigenschaften unter dem Einfluss der Schwerkraft verändern.

Was am Himmel zu sehen ist

Für alle, die die Internationale Raumstation vom Boden aus verfolgen, verändert jedes Abdockmanöver subtil die Sichtbarkeit des Komplexes. Nach den Echtzeitdaten unseres Trackers fliegt die ISS derzeit in einer Höhe von 439 km und ist mit einer Geschwindigkeit von 27.528 km/h unterwegs. Bei diesem Tempo umkreist das Labor die Erde alle 90 Minuten komplett, was je nach geografischem Standort zahlreiche Beobachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Nach dem Abdocken bleibt die Station durch die verbleibende Crew besetzt, die den Forschungsbetrieb aufrechterhält. Wer genau noch an Bord ist und welche Aufgaben die einzelnen Astronauten übernehmen, erfährst du in unserer Rubrik über die Besatzung an Bord der ISS.

In den Stunden vor und nach dem Abdocken eines Sojus-Raumschiffs kommt es zu einem faszinierenden optischen Phänomen, sofern über deiner Region ein sichtbarer Nachtüberflug stattfindet. Statt eines einzelnen hellen Punkts, der über den Himmel zieht, lassen sich zwei Lichter auf derselben Bahn beobachten, die sich allmählich voneinander trennen: Das hellere ist die Raumstation selbst, das schwächere die Kapsel, die sich auf ihren Wiedereintritt vorbereitet.

Wenn du deine Beobachtung planen möchtest, um diese Himmelsereignisse nicht zu verpassen, schau in unseren Leitfaden zur ISS-Beobachtung oder prüfe die genauen Überflugzeiten mit dem Tool für Überflugzeiten der Station. Während des Rückkehrmanövers kannst du das Geschehen zudem per Live-Videostream in unserem Bereich für Live-Übertragungen der ISS verfolgen.

Sieh dir die genaue Position der Station auf der Karte an und finde heraus, ob sie gleich über deinen Horizont zieht – in unserem Echtzeit-Tracker der ISS.

Quelle: Space.com ↗