Sophie Adenot und ihre drei Weltraumausstiege: Was außerhalb der ISS geschieht
Wenn du heute Nacht nach oben blickst und diesen lautlosen Lichtpunkt entdeckst, der über dir über den Himmel zieht, denke für einen Moment an die hauchdünne Grenze, die das Leben von der Leere trennt. Während die Internationale Raumstation eine weitere Umlaufbahn über unseren Städten vollendet, hat die europäische Astronautin Sophie Adenot eine anspruchsvolle Serie von drei Weltraumausstiegen abgeschlossen und damit menschliche Arbeit in die lebensfeindlichste Umgebung gebracht, die man sich vorstellen kann. Die Raumstation von der eigenen Terrasse aus vorbeiziehen zu sehen, ist beeindruckend; zu wissen, dass da oben Menschen im Abgrund schweben, während sie mit Tausenden Kilometern pro Stunde fliegen, verändert deinen Blick auf die Sterne für immer.
Was geschehen ist
Die französische Astronautin Sophie Adenot aus dem Astronautenkorps der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat erfolgreich drei Außenbordeinsätze (EVA) an der Außenseite der Internationalen Raumstation absolviert. Wie die ESA in ihrer Berichterstattung über die Mission mitteilt, festigen diese drei Exkursionen jenseits der Luftschleuse Quest Adenots Rolle bei den anspruchsvollsten Wartungs-, Montage- und Modernisierungsarbeiten am orbitalen Labor.
Den druckbeaufschlagten Innenbereich der ISS zu verlassen, ist keine Routineangelegenheit. Jeder dieser Ausstiege bedeutet sechs bis acht Stunden ununterbrochene körperliche Anstrengung im absoluten Vakuum des Weltraums. Für diese Einsätze stieg die Astronautin in die Extravehicular Mobility Unit (EMU), einen US-amerikanischen Raumanzug, der praktisch wie ein eigenständiges Raumschiff funktioniert – ausgestattet mit eigenem Lebenserhaltungssystem, Temperaturregelung, Sauerstoffvorräten und unabhängiger Kommunikation.
Im Verlauf dieser drei Einsätze konzentrierten sich die Außenarbeiten auf die Optimierung der Strom- und Kommunikationsleitungen der Station, die Vorbereitung von Schnittstellen für neue wissenschaftliche Nutzlasten und die Überprüfung der mechanischen Elemente, die die Ausrichtung der Solarpaneele ermöglichen. Jede Bewegung außerhalb der Luftschleuse erfordert millimetergenaue Sicherungen mittels Sicherheitsleinen und Karabinern; die Fortbewegung erfolgt allein mit den Händen entlang der Metallgeländer an der Außenstruktur des Komplexes – ohne den geringsten Spielraum für Unachtsamkeiten.
Warum das wichtig ist
Die breite Öffentlichkeit verbindet das Leben im Orbit meist mit spielerischer Schwerelosigkeit im Inneren der Module, doch die entscheidende Instandhaltung, die die Station am Leben erhält, findet draußen statt. Weltraumausstiege sind mit Abstand der riskanteste Teil jeder Raumfahrtmission. Sie setzen die Astronauten extremen Temperaturunterschieden aus – die alle 45 Minuten zwischen minus 120 Grad im Schatten des Orbits und über plus 120 Grad bei voller Sonneneinstrahlung schwanken –, ebenso wie ständiger Strahlung und der latenten Gefahr durch Mikrometeoriten oder winzige Weltraumschrotteile.
Dass Sophie Adenot gleich drei Außenbordeinsätze absolviert hat, beweist das technische Vertrauen, das die internationalen Raumfahrtagenturen in die neue Generation europäischer Astronauten setzen. Dabei geht es nicht nur darum, Komponenten zu reparieren, die durch jahrzehntelange Strahlung und thermische Belastung gelitten haben; diese Eingriffe sind unverzichtbar, um die Lebensdauer der ISS bis zu ihrem geplanten Betriebsende zu verlängern und Montageprotokolle zu erproben, die künftig bei der Mondstation Gateway zum Einsatz kommen werden.
Zudem findet diese intensive Außenaktivität in einer Phase maximaler Auslastung an Bord statt. Derzeit leben und arbeiten elf Astronauten und Kosmonauten im Komplex – eine hohe Zahl, die das Tempo bei wissenschaftlicher Forschung und technischer Logistik vervielfacht. Neben Adenot besteht die aktuelle Besatzung an Bord der ISS aus Jessica Meir, Jessica Watkins, Joshua Kutryk, Anna Kikina, Pyotr Dubrov, Luke Delaney, Jack Hathaway, Anil Menon, Andrei Fedyaev und Sergey Teteryatnikov. Ein so großes Team zu koordinieren, während zwei seiner Mitglieder im Außeneinsatz sind, erfordert millimetergenaue Präzision in den Kommandomodulen – ein technisches Schauspiel, das sich häufig über die Livestreams der Raumstation mitverfolgen lässt.
Was du am Himmel sehen kannst
Für alle, die die Astronomie mit bloßem Auge von der Erdoberfläche aus genießen, verändern Nachrichten wie die Außeneinsätze von Sophie Adenot das Beobachtungserlebnis. In diesem Moment fliegt die Station laut den Echtzeitdaten unseres ISS-Trackers in 418 Kilometern Höhe und bewegt sich mit einer gewaltigen Geschwindigkeit von 27.591 km/h. Es ist fast unmöglich, sich diese Zahl vorzustellen – bis man begreift, dass der helle Punkt, der über deinen Horizont zieht, kaum neunzig Minuten braucht, um die gesamte Erde einmal zu umrunden.
Wenn du den nächsten nächtlichen Überflug beobachtest, halte dir diese Punkte vor Augen, um das Gesehene mit der Wirklichkeit der Mission zu verbinden:
- Der Ursprung des Leuchtens: Die ISS strahlt auf diese Entfernung kein sichtbares eigenes Licht ab. Was du wahrnimmst, ist Sonnenlicht, das von ihren riesigen Oberflächen reflektiert wird – vor allem von den acht Solarmodulflügeln und den Wärmeradiatoren. Es sind genau jene metallischen Oberflächen und Paneele, an denen Sophie Adenot während ihrer drei Weltraumausstiege stundenlang gesichert gearbeitet hat.
- Die sichtbare Geschwindigkeit: Da sie mit 27.591 km/h in 418 km Höhe fliegt, blinkt die Raumstation nicht und hinterlässt auch keinen Kondensstreifen wie ein gewöhnliches Flugzeug. Sie zieht majestätisch, lautlos und gleichmäßig ihre Bahn und benötigt meist drei bis sechs Minuten, um das Himmelsgewölbe von Horizont zu Horizont zu überqueren.
- Ein bewohntes Zuhause: Zu wissen, dass in diesem Lichtpunkt 11 Menschen unterwegs sind und gleichzeitig an biologischen und physikalischen Experimenten sowie an Außeneinsätzen arbeiten, verleiht der Himmelsbeobachtung eine einzigartige menschliche Dimension.
Damit du die Sichtung nicht verpasst, sieh vorab nach, wann die ISS über deinen Standort fliegt, oder lies unseren Leitfaden zur ISS-Beobachtung, falls du die Raumstation zum ersten Mal am Nachthimmel suchst.
Öffne unseren Echtzeit-Tracker, finde den nächsten günstigen Überflug über deiner Stadt und mach dich bereit, die Heimat im Orbit mit eigenen Augen zu bestaunen – dort, wo Sophie Adenot und ihre Kollegen weiterhin die Grenzen des Weltraums verschieben.
Quelle: ESA ↗