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Die besten Monate und Uhrzeiten, um die ISS zu sehen

Die besten Monate und Uhrzeiten, um die ISS zu sehen

Veröffentlicht am 2026-08-28 · Vom ISS-Tracker-Team

Die Internationale Raumstation fliegt jeden Tag im Jahr mehrmals über dein Zuhause hinweg. Sie mit eigenen Augen zu sehen, ist jedoch eine ganz andere Sache: Es gibt Wochen mit fantastischen Überflügen fast jeden Abend und ganze Wochen, in denen kein einziger brauchbarer Überflug dabei ist. Wenn du diesen Zyklus verstehst, sparst du dir vergebliches Warten im Freien.

Die Grundregel: Das Beleuchtungsfenster

Damit du die Raumstation sehen kannst, müssen drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: An deinem Standort muss es dunkel sein, die ISS muss über deinem Horizont stehen und in ihrer Höhe muss sie noch von der Sonne angestrahlt werden. Diese dritte Bedingung ist entscheidend, denn die ISS leuchtet nicht von selbst – sie reflektiert lediglich das Sonnenlicht.

Da sie in rund 400 Kilometern Höhe kreist, wird sie noch eine ganze Weile von der Sonne beschienen, nachdem es am Boden bereits dunkel geworden ist. Diese Zeitverschiebung eröffnet jeden Tag zwei Beobachtungsfenster: von der Abenddämmerung bis etwa zwei bis drei Stunden danach und spiegelbildlich vor dem Morgengrauen. Außerhalb dieser Zeitfenster zieht die Station zwar über dich hinweg, bleibt aber unsichtbar.

Warum es gute und schlechte Phasen gibt

Die Umlaufbahn der ISS ist nicht mit dem Sonnentag synchronisiert. Ihre Bahnebene driftet im Verhältnis zur Tag-Nacht-Grenze langsam ab – in Zyklen von rund neun Wochen.

In der Praxis führt das zu einem Muster, das du sofort erkennst, sobald du einen Blick auf die Vorhersagen wirfst: Etwa sieben bis zehn Tage lang gibt es regelmäßig hervorragende sichtbare Überflüge, oft zwei oder drei pro Nacht und jeden Tag etwas früher. Danach flaut diese Serie ab, die Überflüge fallen mitten in die Nacht, wenn die Station im Erdschatten liegt, und ein bis zwei Wochen lang gibt es überhaupt nichts zu sehen. Anschließend beginnt der Zyklus von Neuem.

Wenn du also die Überflugzeiten prüfst und kein einziger lohnender Überflug angezeigt wird, ist das Tool nicht kaputt: Du befindest dich schlicht im Tiefpunkt des Zyklus. Schau einfach eine Woche später noch einmal nach.

Orbitaler Sonnenaufgang über den Wolken. Die Geometrie zwischen Sonne, Erde und Raumstation entscheidet, ob du sie sehen kannst.
Orbitaler Sonnenaufgang über den Wolken. Die Geometrie zwischen Sonne, Erde und Raumstation entscheidet, ob du sie sehen kannst.

Die besten Monate des Jahres

Hier kommt ein jahreszeitliches Phänomen ins Spiel, das bestimmte Monate klar bevorzugt. In den Wochen rund um die Sommersonnenwende sinkt die Sonne nachts nur knapp unter den Horizont, sodass der Erdschatten in 400 Kilometern Höhe deutlich kürzer ist. Die Folge: Die ISS wird auf jeder Erdumkreisung viel länger von der Sonne beleuchtet.

Das ermöglicht die spektakulärsten Überflüge des gesamten Jahres – inklusive Nächten, in denen die Raumstation viermal oder fünfmal über den Himmel zieht, ohne ein einziges Mal in den Erdschatten einzutauchen. Auf der Nordhalbkugel ist dies zwischen Ende Mai und Mitte Juli der Fall; auf der Südhalbkugel zwischen Ende November und Januar.

Im Winter kehrt sich dieses Muster um: Der Erdschatten ist länger und ausgedehnter, die Sichtbarkeitsphasen sind kürzer und Überflüge brechen viel häufiger mitten auf der Flugbahn ab, wenn die Station in den Schatten eintaucht. Dafür bricht die Nacht viel früher herein, sodass die abendlichen Überflüge zu angenehmen Uhrzeiten stattfinden – und nicht erst um halb zwölf nachts.

Die besten Uhrzeiten in der Nacht

Innerhalb einer günstigen Phase sind nicht alle Überflüge gleich gut:

  • 60 bis 120 Minuten nach Sonnenuntergang: Die Königsklasse. Der Himmel ist bereits dunkel und die Raumstation noch voll angestrahlt. Zu dieser Zeit erlebst du die hellsten und vollständigsten Überflüge.
  • Direkt in der Abenddämmerung: Die ISS ist zwar hell, aber der Himmel noch nicht völlig dunkel, was den Kontrast mindert. Gut sichtbar, aber weniger eindrucksvoll.
  • Frühmorgens vor Sonnenaufgang: Hervorragende Bedingungen und ein sehr klarer Himmel – mit dem einzigen Haken der frühen Stunde. Eine hervorragende Wahl für die Astrofotografie.
  • Mitten in der Nacht: Fast immer zwecklos. Die Raumstation liegt im Erdschatten und bleibt unsichtbar – selbst wenn sie genau über deinen Kopf hinwegfliegt.

So nutzt du eine günstige Phase optimal

Sobald du merkst, dass eine solche Phase begonnen hat, sieh dir im Überflug-Rechner alle Termine der kommenden sieben Tage auf einen Schlag an und wähle den Überflug mit der höchsten Elevation der Woche aus. Genau für diesen lohnt sich der Weg zu einem Ort mit freiem Horizont oder die Vorbereitung deiner Kamera.

Bedenke außerdem, dass sich die Überflüge innerhalb einer Phase von Abend zu Abend um etwa 20 bis 25 Minuten nach vorne verschieben. Wenn sie heute um 22:40 Uhr vorbeizieht, wird es morgen etwa 22:15 Uhr sein. Verlass dich also niemals blind auf die Zeit vom Vortag.

Wenn du verstehen möchtest, warum sich die Umlaufbahn so verhält, findest du den gesamten Mechanismus im Artikel Wie die ISS die Erde umkreist. Im Echtzeit-Tracker kannst du zudem die aktuelle Flugbahn auf der Weltkarte verfolgen. Praktische Tipps für deine erste Beobachtung bietet dir unser Leitfaden zur ISS-Beobachtung.

Der Kalender ist kein Zufall, sondern ein fester Zyklus. Sobald du ihn durchschaut hast, suchst du nicht mehr auf gut Glück den Himmel ab, sondern wählst gezielt die perfekte Nacht aus.

Bilder: Titelbild, Sunset and stars over Stångehuvud — W.carter (CC0). Text, An orbital sunrise illuminates Earths atmosphere and cloud tops (iss073e0988954) — NASA Johnson Space Center (Gemeinfrei).

Quelle: ISS Tracker ↗