Eine Station, der nie der Nachschub ausgehen darf
Mehrere Menschen dauerhaft Hunderte Kilometer über der Erde leben zu lassen, wäre ohne ständigen Nachschub vom Boden unmöglich. Die ISS baut weder ihre eigenen Lebensmittel an noch stellt sie ihre eigenen Ersatzteile her: Sie ist vollständig auf eine Flotte unbemannter Raumfrachter angewiesen, die die beteiligten Raumfahrtagenturen regelmäßig hinaufschicken – jeder mit eigenen technischen Merkmalen.
Heute teilen sich drei Hauptfrachter die Versorgung: der altgediente russische Progress, der US-amerikanische Cygnus und der Cargo Dragon von SpaceX. Alle drei erfüllen dieselbe Grundaufgabe – Fracht zur Station bringen –, unterscheiden sich aber in Bauweise, Kapazität und vor allem darin, was nach der Mission mit ihnen geschieht.
Progress: der Veteran der russischen Raumfahrt
Der Raumfrachter Progress, betrieben von Roskosmos, ist ohne Zweifel der Älteste in dieser Runde. Seine Konstruktion geht auf die 1970er-Jahre zurück, als er begann, die sowjetische Station Saljut zu versorgen – lange bevor es die ISS überhaupt gab. Jahrzehnte später ist dieselbe Grundarchitektur – weiterentwickelt und modernisiert, aber noch wiederzuerkennen – weiterhin im aktiven Einsatz und bringt Lebensmittel, Wasser, Treibstoff und Ausrüstung zur heutigen Station.
Der Progress ist nicht für die Rückkehr zur Erde gebaut: Nach dem Entladen wird er mit Müll und Material gefüllt, das an Bord nicht mehr gebraucht wird, legt von der Station ab und verglüht kontrolliert beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Im Grunde ist er ein Lieferwagen für eine einzige Fahrt.
Weißt du, welche Besatzung diese Lieferungen gerade in Empfang nimmt?
Aktuelle ISS-Besatzung ansehenCygnus: die US-amerikanische Frachtkapsel
Der Cygnus, gebaut von Northrop Grumman im Auftrag der NASA, erfüllt eine sehr ähnliche Rolle wie der russische Progress, allerdings innerhalb des Systems kommerzieller US-Versorger. Wie sein russisches Gegenstück ist auch er nicht für die Rückkehr ausgelegt: Nach Abschluss seiner Versorgungsmission wird er mit Abfällen der Station beladen und verglüht in der Atmosphäre – eine Wiederverwendung ist nicht möglich.
Sein Hauptwert liegt in der flexiblen Beladung und darin, dass er einen zweiten, von SpaceX unabhängigen Versorgungsweg bietet. Das verschafft der NASA mehr Spielraum, falls sich ein Start verzögert.
Cargo Dragon: der Einzige, der zurückkommen kann
Hier liegt der große Unterschied innerhalb des Trios. Der Cargo Dragon von SpaceX, ebenfalls im Auftrag der NASA unterwegs, kann etwas, das weder Progress noch Cygnus beherrschen: mit Fracht an Bord zur Erde zurückkehren. Während die beiden anderen Frachter Material nur in eine Richtung transportieren, kann der Cargo Dragon abgeschlossene wissenschaftliche Experimente, biologische Proben oder Geräte, die am Boden repariert werden müssen, zurückbringen – mit einer kontrollierten Wasserung im Ozean.
Diese Fähigkeit zum Hin- und Rückflug macht den Cargo Dragon zu einem Schlüsselelement für die Wissenschaft an Bord der ISS: Viele Experimente ergeben nur dann Sinn, wenn ihre Ergebnisse – physische Proben, nicht nur Daten – anschließend mit Laborgeräten auf der Erde analysiert werden können.
Wusstest du? Der russische Progress wird schon seit einer Zeit weiterentwickelt, in der es die ISS selbst noch gar nicht gab. Damit gehört er zu den Frachtsystemen der Raumfahrt mit der längsten ununterbrochenen Einsatzgeschichte der Welt.
Welche Güter Vorrang haben
Nicht jede Fracht für die ISS ist gleich dringend. Grob gesagt gehören zu den Prioritäten meist:
- Wasser und Sauerstoff: Auch wenn die Station einen Großteil ihres Wassers selbst recycelt, müssen Verluste immer ausgeglichen und Sicherheitsreserven gehalten werden.
- Lebensmittel: verpackte Rationen, die sich in der Umgebung der Station monatelang halten.
- Ersatzteile: von Filtern bis zu elektronischen Bauteilen, die sich im Dauerbetrieb abnutzen.
- Treibstoff für Bahnanhebungen (Reboost): nötig für die regelmäßigen Triebwerkszündungen, die die Station auf ihrer Höhe halten.
- Wissenschaftliche Experimente: frisches Material für neue Studien und Platz für den Rücktransport bereits abgeschlossener Ergebnisse.
Den Startkalender zwischen den Agenturen abstimmen
Dass der Station nie der Nachschub ausgeht, ist keine Glückssache, sondern das Ergebnis gemeinsamer Planung. Die Partneragenturen stimmen ihre Startpläne Monate im Voraus ab und verteilen die Progress-, Cygnus- und Cargo-Dragon-Missionen so über das Jahr, dass immer eine andere Mission relativ zeitnah folgt, falls sich ein Start wegen schlechten Wetters oder eines technischen Problems verzögert. Diese eingeplante Redundanz ist letztlich der eigentliche Grund, warum drei verschiedene Frachtsysteme nebeneinander existieren, statt sich auf ein einziges zu verlassen.
Häufige Fragen
Wie oft kommen Frachter zur ISS?
Die Partneragenturen folgen über das Jahr hinweg einem abgestimmten Plan für Frachtstarts und wechseln dabei zwischen Progress, Cygnus und Cargo Dragon ab, damit die Station regelmäßig frischen Nachschub erhält und zwischen den Missionen nie knapp wird.
Was ist der Unterschied zwischen einem Frachter und einem bemannten Raumschiff?
Ein Frachter befördert keine Astronauten und hat keine Lebenserhaltungssysteme für Menschen: Sein gesamter Innenraum ist für Lebensmittel, Wasser, Ersatzteile und Treibstoff reserviert. Bemannte Raumschiffe dagegen haben Sitze, Steuerelemente und Notfallsysteme, um Menschen sicher zu transportieren.
Kann ein Frachter mit Ladung zur Erde zurückkehren?
Ja, der Cargo Dragon von SpaceX ist der einzige der drei Hauptfrachter, der mit Fracht an Bord – etwa wissenschaftlichen Experimenten oder reparaturbedürftigen Geräten – zur Erde zurückkehren kann; er wassert dabei im Ozean. Progress und Cygnus transportieren Fracht nur in eine Richtung und verglühen am Ende der Mission in der Atmosphäre.
Was passiert, wenn ein Frachtstart scheitert?
Die ISS hält Sicherheitsreserven an Wasser, Sauerstoff und Lebensmitteln bereit, genau um solche Zwischenfälle abzufedern, und die Agenturen können andere Versorgungsstarts umplanen oder vorziehen. Ein einzelner Fehlschlag ist ein ernster logistischer Rückschlag, doch das System ist so ausgelegt, dass die Besatzung dadurch nicht unmittelbar in Gefahr gerät.
Verfolge die Position der ISS, während sie ihren nächsten Nachschub erhält.
ISS live ansehen