Veröffentlicht am 12. Oktober 2026 · Aktualisiert am 12. Oktober 2026
Eine Station aus Einzelteilen
Die ISS wurde nicht in einem Stück gestartet. Über mehr als zwanzig Jahre hinweg setzte man sie im Orbit Teil für Teil zusammen, wie mit einem riesigen Metallbaukasten. Das erste Modul flog im November 1998 ins All, die letzten 2021. Heute besteht die Station aus 16 druckbeaufschlagten Hauptmodulen, dazu kommen ein aufblasbares Modul und eine kommerzielle Schleuse. Alles hängt an einem 109 Meter langen Gitterträger, der die Solarflügel und die Radiatoren trägt.
Innen ist sie in zwei Hälften geteilt, die fast unabhängig voneinander betrieben werden: das russische Segment, gesteuert aus Moskau, und das US-Segment, gesteuert aus Houston, zu dem auch die Labore Europas und Japans gehören. Verbunden sind die beiden Hälften an einer einzigen Stelle, dem Übergang zwischen Sarja und Unity.
Willst du sie von innen erkunden? In unserem 3D-Modell bewegst du dich aus der Ich-Perspektive durch die Module und öffnest ihre Luken.
Die ISS in 3D öffnenDas russische Segment
Es ist der älteste Teil der Station und trägt die Haupttriebwerke. Seine Module gehen auf die der sowjetischen Raumstationen Saljut und Mir zurück.
- Sarja (1998). Das erste Modul, gestartet am 20. November 1998. Gebaut wurde es in Russland, bezahlt von der NASA, und anfangs lieferte es Strom und Antrieb. Heute dient es vor allem als Lager und Treibstoffdepot.
- Swesda (2000). Das Servicemodul, angedockt im Juli 2000. Hier gibt es Schlafkabinen, eine Küche, die Lebenserhaltung und die Triebwerke, die bei Bedarf die Bahn anheben. Swesda war das erste „Zuhause“ der Station.
- Poisk (2009). Ein kleines Modul oben auf Swesda. Es dient als Andockstelle für Sojus- und Progress-Raumschiffe und als Schleuse für russische Außenbordeinsätze.
- Rasswet (2010). Kam an Bord der Raumfähre Atlantis. Es ist eine Andockstelle unter Sarja und zugleich ein kleines Lager.
- Nauka (2021). Das russische Mehrzwecklabor, gestartet im Juli 2021 nach mehr als zehn Jahren Verzögerung. Es trägt den europäischen Roboterarm ERA. Um Platz dafür zu schaffen, musste Pirs weichen, das alte Andockmodul von 2001.
- Pritschal (2021). Ein kugelförmiger Knoten mit sechs Luken, im November 2021 an Nauka angekoppelt. Er verschafft dem russischen Segment zusätzliche Andockstellen.
Das US-Segment und seine Partner
Hier liegen die meisten Labore. Mehrere „amerikanische“ Module stammen eigentlich aus Italien: Harmony, Tranquility, die Cupola und Leonardo wurden in denselben Turiner Werken gebaut wie das europäische Labor Columbus.
- Unity (1998). Der erste Knoten, im Dezember 1998 mit Sarja verbunden. Er verbindet die beiden Hälften der Station.
- Destiny (2001). Das Labor der NASA, Zentrum der US-Experimente und der Steuerungssysteme des Segments.
- Quest (2001). Die Schleuse, durch die Astronauten in US-Raumanzügen zu ihren Weltraumspaziergängen aufbrechen.
- Harmony (2007). Der Knoten, der Destiny mit dem europäischen und dem japanischen Labor verbindet. An seinem vorderen und seinem oberen Anschluss docken die Crew Dragon und die Cargo Dragon an.
- Columbus (2008). Das Labor der Europäischen Weltraumorganisation, mit Platz für Experimente im Inneren und Plattformen an der Außenseite.
- Kibo (2008–2009). Das japanische Labor, in drei Flügen angeliefert: ein druckbeaufschlagtes Lager, das Hauptmodul und eine Außenplattform, die direkt dem Weltraum ausgesetzt ist. Das Hauptmodul ist 11 Meter lang und damit das größte Modul der ganzen Station. Kibo hat einen eigenen Roboterarm.
- Tranquility (2010). Ein Knoten mit einem großen Teil der Lebenserhaltung des Segments: Wasseraufbereitung, Sauerstofferzeugung, die Toilette und die Trainingsgeräte.
- Cupola (2010). Die Aussichtskuppel mit sieben Fenstern, das mittlere misst 80 cm im Durchmesser. Von hier aus wird der Roboterarm Canadarm2 gesteuert, und hier entstehen die besten Fotos der Erde.
- Leonardo (2011). Ein ehemaliges Frachtmodul der Raumfähren, das als festes Lager an der Station geblieben ist.
- BEAM (2016). Ein experimentelles aufblasbares Modul. Es wurde zusammengefaltet gestartet und erst im Orbit aufgeblasen. Geplant war ein Test über zwei Jahre, am Ende wurde daraus eine Abstellkammer.
- Bishop (2020). Die erste kommerzielle Schleuse. Über sie werden kleine Satelliten und Experimente nach draußen gebracht.
Wann welches Teil ankam
| Jahr | Modul | Herkunft | Hauptaufgabe |
|---|---|---|---|
| 1998 | Sarja, Unity | Russland (von der NASA finanziert), USA | Erste Strom- und Antriebsversorgung; Verbindungsknoten |
| 2000 | Swesda | Russland | Wohnbereich, Lebenserhaltung, Triebwerke |
| 2001 | Destiny, Quest | USA | Labor; Schleuse |
| 2007 | Harmony | USA (in Italien gebaut) | Knoten für die Labore und die Dragon-Raumschiffe |
| 2008 | Columbus, Kibo (Teil 1 und 2) | Europa, Japan | Labore |
| 2009 | Kibo (Außenplattform), Poisk | Japan, Russland | Experimente im Vakuum; Schleuse und Andockstelle |
| 2010 | Tranquility, Cupola, Rasswet | USA und Europa, Russland | Lebenserhaltung; Aussichtskuppel; Andockstelle |
| 2011 | Leonardo | USA (in Italien gebaut) | Lager |
| 2016 | BEAM | USA (Privatunternehmen) | Aufblasbares Testmodul |
| 2020 | Bishop | USA (Privatunternehmen) | Kommerzielle Schleuse |
| 2021 | Nauka, Pritschal | Russland | Labor; Andockknoten |
Was kein Modul ist: Gitterträger, Solarflügel und Roboterarme
Neben den Modulen, in denen die Besatzung lebt, hat die ISS ein großes Außengerüst: den integrierten Gitterträger, 109 Meter von einem Ende zum anderen und damit fast so lang wie ein Fußballfeld. Daran sitzen die acht großen US-Solarflügel, die seit 2021 durch modernere ausrollbare Paneele verstärkt werden, außerdem die Radiatoren, die überschüssige Wärme abgeben, und die Plattformen, auf denen Ersatzteile lagern.
Ebenfalls außen unterwegs ist der Canadarm2, der 17 Meter lange kanadische Roboterarm. Er fängt Frachtschiffe ein und versetzt Geräte, unterstützt von seiner präzisen „Hand“ Dextre. Das russische Segment nutzt den europäischen Arm ERA, der an Nauka montiert ist.
Wie das alles am Laufen bleibt, also Strom, Luft und Wasser, erklären wir in So funktioniert die ISS.
Häufige Fragen
Wie viele Module hat die ISS?
Sechzehn druckbeaufschlagte Hauptmodule: sechs im russischen und zehn im US-Segment, wenn man die beiden Druckmodule von Kibo mitzählt. Hinzu kommen das aufblasbare Modul BEAM und die kommerzielle Schleuse Bishop.
Welches war das erste Modul der ISS?
Sarja, gestartet am 20. November 1998 in Baikonur. Zwei Wochen später brachte die Raumfähre Endeavour Unity nach oben und koppelte es an Sarja an. Das war die Geburtsstunde der Station.
Welches Modul ist das größte?
Das druckbeaufschlagte Hauptmodul des japanischen Labors Kibo. Es ist rund 11 Meter lang und hat einen Durchmesser von gut 4 Metern.
Wurde schon einmal ein Modul entfernt?
Ja. Pirs, das russische Andockmodul mit Schleuse aus dem Jahr 2001, wurde im Juli 2021 abgekoppelt und verglühte beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. So wurde sein Platz frei für das Labor Nauka.
Wo kann ich sehen, wie die Module innen aussehen?
Auf unserer ISS-Seite. Dort gibt es ein 3D-Modell auf Basis des NASA-Modells und einen Rundgang aus der Ich-Perspektive durch das Innere der Module.
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