ISS Tracking

Die ISS fotografieren

Von der Lichtspur mit dem Handy bis zur Silhouette der Station im Teleskop

Drei verschiedene Fotos, drei Techniken

Wenn jemand erzählt, er habe die ISS fotografiert, kann das ganz Verschiedenes bedeuten. Am häufigsten, und am einfachsten, ist die Lichtspur: eine Linie aus Licht, die auf einem Foto mit mehreren Sekunden Belichtungszeit quer über den Himmel läuft. Die zweite Variante ist die Silhouette: die Form der Station mit ihren Solarflügeln, aufgenommen durch ein Teleskop. Die dritte ist der Transit: die Station als Umriss vor der Sonnen- oder Mondscheibe, für den Bruchteil einer Sekunde.

Die Lichtspur gelingt mit einem Handy und einem Stativ. Für die Silhouette brauchst du ein Teleskop und einiges an Übung. Beim Transit musst du außerdem zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Fangen wir mit dem Einfachen an.

Vorab: wissen, wann und wo sie vorbeikommt

Ein gutes ISS-Foto beginnt, bevor du aus dem Haus gehst. Du brauchst drei Angaben: die Uhrzeit, zu der sie auftaucht, die Richtung, aus der sie kommt und in die sie verschwindet, und die maximale Höhe. All das findest du in der Kachel zum nächsten Überflug im Tracker. Anhand der Richtung legst du den Bildausschnitt fest: Wenn sie im Westen aufsteigt und im Osten untergeht, weißt du, welcher Teil der Landschaft mit aufs Bild muss.

Am fotogensten sind Überflüge kurz nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch tiefblau ist und die Landschaft noch etwas Licht hat. Hohe Überflüge mit mehr als 50° liefern lange Spuren, die sich mit einem Weitwinkel leicht einfangen lassen.

Die Lichtspur mit dem Handy

Die meisten aktuellen Handys haben einen Nachtmodus oder einen manuellen Modus (oft „Pro“ genannt), mit dem sich mehrere Sekunden lang belichten lässt. Mehr brauchst du nicht.

Beim iPhone gibt es noch einen Trick: Wenn du ein Live Photo aufnimmst und in der Fotos-App den Effekt „Langzeitbelichtung“ wählst, bekommst du eine kurze Spur von etwa drei Sekunden. Das ist weniger spektakulär, funktioniert aber ohne Stativ, wenn du dich gut abstützt.

Die Lichtspur mit der Kamera

Mit einer Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkamera werden die Ergebnisse deutlich besser, vor allem beim Rauschen und bei den Details der Landschaft. Die Technik bleibt dieselbe: Kamera fest auf dem Stativ und lange Belichtungszeiten.

SituationISOBlendeBelichtungszeit
Dämmerung, blauer Himmel100–200f/5,6–f/85–15 s
Nacht in der Stadt200–400f/5,6–f/810–20 s
Nacht auf dem Land800–1600f/2,8–f/415–30 s

Das sind Richtwerte: Mach ein paar Minuten vor dem Überflug ein Testfoto und korrigiere nach. Noch ein paar Empfehlungen:

Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst: Zieht die ISS direkt über dich hinweg, legt sie pro Sekunde etwas mehr als ein Grad am Himmel zurück. Bei 20 Sekunden Belichtung hinterlässt sie eine Linie von etwa 20 Grad, doppelt so lang, wie deine Faust am ausgestreckten Arm abdeckt.

Die Fotos zusammenfügen: Stacking

Hast du eine Belichtungsreihe gemacht, kombinierst du sie zum Schluss zu einem einzigen Bild mit der vollständigen Spur. Dafür gibt es kostenlose Programme wie StarStaX oder Sequator: Du lädst alle Fotos und wählst den Modus, der von jedem Bild die hellsten Punkte übernimmt („Lighten“ bzw. „Aufhellen“). Das geht auch in jedem Bildbearbeitungsprogramm mit Ebenen, wenn du alle Ebenen auf den Modus „Aufhellen“ stellst.

Warum die Spur abbricht: Manchmal endet die Linie mitten am Himmel ganz abrupt. Das ist kein Fehler der Kamera: In diesem Moment taucht die Station in den Erdschatten ein und reflektiert kein Sonnenlicht mehr.

Die Silhouette im Teleskop

Bei ihrer größten Annäherung ist die ISS am Himmel knapp eine Bogenminute groß, ähnlich wie Jupiter in seinen besten Nächten. Das reicht, damit ein Amateurteleskop die Solarflügel und den Mittelteil zeigt, aber sie bewegt sich so schnell, dass das Nachführen die eigentliche Herausforderung ist.

Wenn du sie erst einmal beobachten willst, bevor du sie fotografierst, haben wir einen Guide zur ISS mit Fernglas oder Teleskop. Und wenn dich das Foto vor Sonne oder Mond reizt, erklären wir alles Nötige unter ISS-Transits.

Häufige Fragen

Kann man die ISS mit dem Handy fotografieren?

Ja. Mit aufgestütztem Handy und einer Belichtung von mehreren Sekunden im Nacht- oder manuellen Modus hältst du die Lichtspur fest, die sie am Himmel hinterlässt. Um ihre Form zu sehen, brauchst du ein Teleskop.

Welches Objektiv eignet sich am besten für die Lichtspur?

Ein Weitwinkel mit 14 bis 24 mm an Vollformat. Ein hoher Überflug zieht über einen großen Teil des Himmels, mit einer längeren Brennweite passt nur ein Stück davon aufs Bild.

Warum ist meine Spur in mehrere Stücke zerteilt?

Weil zwischen zwei Fotos eine kleine Pause liegt. Nutz die Serienaufnahme oder ein Intervallometer mit dem kürzestmöglichen Intervall. Endet die Linie dagegen abrupt mitten am Himmel, ist die Station in den Erdschatten eingetaucht.

Sieht man die Solarflügel auf einem normalen Foto?

Nein. Mit bloßem Auge und mit einem Weitwinkel ist die ISS ein Punkt. Um die Solarflügel zu erkennen, brauchst du ein Teleskop, Belichtungszeiten von Tausendstelsekunden und einiges an Übung beim Nachführen.

Welche Überflüge eignen sich am besten zum Fotografieren?

Überflüge kurz nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch dunkelblau ist, bei denen die Station mehr als 50° über den Horizont steigt. Sie liefern lange Spuren und eine Landschaft mit etwas Restlicht.

Such dir einen guten Überflug für dein Foto

Nächste Überflüge ansehen