ISS Tracking

Die ISS mit Fernglas oder Teleskop beobachten

Was du mit welchem Instrument siehst und wie du etwas verfolgst, das in wenigen Minuten über den Himmel zieht

Mit bloßem Auge ein Punkt, mit Vergrößerung eine Form

Mit bloßem Auge ist die ISS ein sehr heller Lichtpunkt ohne erkennbare Form. Das liegt nicht an der Entfernung: Selbst wenn sie direkt über dich hinwegfliegt, ist sie am Himmel kleiner als eine Bogenminute, und das ist ungefähr die Grenze dessen, was das menschliche Auge auflösen kann. Mit Vergrößerung dagegen zeigt sie sich allmählich als das, was sie ist: ein länglicher Körper mit Solarflügeln.

Das Problem ist nicht die Größe, sondern das Tempo. Die Station zieht in wenigen Minuten von einem Horizont zum anderen, und je stärker du vergrößerst, desto kleiner wird der Himmelsausschnitt, den du siehst, und desto leichter verlierst du sie.

Was du mit welchem Instrument siehst

InstrumentVergrößerungWas du siehstSchwierigkeit
Bloßes Auge1×Einen hellen Punkt, heller als jeder SternKeine
Fernglas7× – 10×Einen leicht länglichen Punkt; seine Farbe und die HelligkeitsschwankungenGering
Großes Fernglas oder kleines Teleskop15× – 40×Eine längliche Form, manchmal das „H“ der SolarflügelMittel
Teleskop60× – 150×Solarflügel, Gitterträger und die Module selbstHoch

Mit dem Fernglas

Ein ganz normales Fernglas, 7×50 oder 10×50, ist der beste Einstieg. Sein Sichtfeld ist groß, etwa 5 bis 7 Grad, deshalb kannst du der Station problemlos von Hand folgen: Du suchst sie mit bloßem Auge und hebst das Fernglas an die Augen, ohne sie aus dem Blick zu lassen.

Erwarte keine Solarflügel: Bei zehnfacher Vergrößerung sieht die ISS immer noch wie ein Punkt aus, wenn auch leicht länglich und mit kräftigerem, etwas gelblichem Glanz. Lohnend ist dagegen das Ende des Überflugs, wenn sie in den Erdschatten eintaucht: Im Fernglas siehst du, wie sie sich rötlich färbt und innerhalb weniger Sekunden erlischt, wie ein Sonnenuntergang im Kleinformat.

Hast du ein Fernglas mit 15-facher oder stärkerer Vergrößerung, setz es auf ein Stativ oder leg es auf eine feste Unterlage. Freihändig tanzt das Bild durch das Zittern der Hände zu sehr.

Mit dem Teleskop: Das Schwierige ist das Nachführen

Bei 100-facher Vergrößerung beträgt das Sichtfeld eines Teleskops kaum ein halbes Grad. Steht die ISS hoch, legt sie mehr als ein Grad pro Sekunde zurück: Sie durchquert das Okular in weniger als einer halben Sekunde. Deshalb kommt es vor allem auf die Technik an.

Trick: Versuch nicht, ihr hinterherzujagen, sobald sie auftaucht. Richte den Sucher auf einen Punkt vor ihr auf ihrer Bahn, warte, bis sie ins Bildfeld kommt, und geh dann mit. Sie abzufangen ist leichter, als sie einzuholen.

Wann und wie du beobachten solltest

Für die Beobachtung mit Vergrößerung eignen sich am besten Überflüge, die höher als 50–60° steigen und kurz nach Einbruch der Dunkelheit stattfinden. Dann ist die Station nah und gut beleuchtet. Sieh dir die Bahn in der Kachel zum nächsten Überflug im Tracker an, damit du weißt, wo sie auftaucht und wohin sie zieht, und lies unseren Guide ISS-Überflüge richtig lesen, falls dir Gradangaben und Himmelsrichtungen noch neu sind.

Ein Sicherheitshinweis: Manche Überflüge finden in der Dämmerung statt, wenn die Sonne gerade erst untergegangen ist. Richte ein Teleskop oder ein Fernglas niemals dorthin, wo die Sonne steht oder eben noch stand, solange sie womöglich noch über dem Horizont ist. Ein einziger Blick in die Sonne mit Vergrößerung kann die Augen dauerhaft schädigen.

Vom Okular zur Kamera

Wenn du ihr sicher folgen kannst, ist der nächste Schritt das Fotografieren. Mit einer Planetenkamera oder einem Handy am Okular kannst du den Überflug filmen und danach die besten Einzelbilder heraussuchen, auf denen Solarflügel und Module erstaunlich detailliert zu sehen sind. Wie das geht, erklären wir unter Die ISS fotografieren. Und wenn du die ultimative Herausforderung suchst, die Station als Umriss vor Sonne oder Mond, lies unseren Guide zu ISS-Transits.

Häufige Fragen

Was sieht man von der ISS mit einem Fernglas?

Einen hellen, leicht länglichen und gelblichen Punkt. Mit einem normalen Fernglas erkennst du die Solarflügel nicht, dafür aber sehr gut die Helligkeitsschwankungen und wie sie erlischt, wenn sie in den Erdschatten eintaucht.

Wie viel Vergrößerung brauche ich, um die Solarflügel zu sehen?

Ab etwa 60-facher Vergrößerung lassen sich mit einem Teleskop die Solarflügel und der Gitterträger erkennen. Das Problem ist das Nachführen, denn bei dieser Vergrößerung ist das Sichtfeld sehr klein.

Welches Teleskop eignet sich am besten, um der ISS zu folgen?

Eines mit azimutaler Montierung, etwa ein Dobson, das du von Hand nach oben, unten und zur Seite schwenkst. Zusammen mit einem gut justierten Sucher und geringer Vergrößerung ist das am praktischsten.

Sieht die ISS im Teleskop größer aus als ein Stern?

Ja. Sterne bleiben in jedem Teleskop Punkte, während die ISS bei hohen Überflügen fast eine Bogenminute groß ist, ähnlich wie Jupiter, und eine Form erkennen lässt.

Kann ich ein Teleskop mit automatischer Nachführung verwenden?

Manche motorisierten Montierungen können mit spezieller Software Satelliten verfolgen. Sie brauchen aktuelle Bahndaten und die genaue Uhrzeit, und trotzdem solltest du den Sucher justiert haben, falls die Station aus dem Bild gerät.

Such dir einen hohen Überflug, um deine Ausrüstung einzuweihen

Nächste Überflüge ansehen