Zwei verschiedene Schauspiele, dieselbe Frage: „Was ist das?“
Es passiert immer häufiger: Du schaust in der Dämmerung zum Himmel und siehst etwas, das nicht zu dem passt, was du erwartet hast – statt eines einzelnen hellen Punkts eine Reihe von Lichtpunkten, die in Formation hintereinander vorbeiziehen, wie eine wandernde Perlenkette. Das ist nicht die ISS. Es ist so gut wie sicher ein Starlink-Satellitenzug. Und die Verwechslung ist so verbreitet, dass sie eine klare Erklärung verdient.
Du willst wissen, ob die ISS heute Nacht über deine Stadt fliegt?
Meine nächsten sichtbaren Überflüge berechnenWas ist ein „Starlink-Zug“?
Starlink ist das Satelliteninternet von SpaceX und besteht aus Tausenden Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Bei jedem Start einer neuen Charge fliegen 20 bis 60 Satelliten gestapelt auf derselben Rakete ins All und werden gebündelt in einer sehr niedrigen Umlaufbahn dicht beieinander ausgesetzt. In den ersten Tagen – manchmal Wochen – nach dem Start haben sie sich noch nicht verteilt und ihre endgültige Betriebsbahn noch nicht erreicht, deshalb fliegen sie praktisch in einer Reihe, mit derselben Geschwindigkeit und in dieselbe Richtung.
Vom Boden aus erzeugt diese frisch ausgesetzte Gruppe den berühmten „Starlink-Zug“: eine Abfolge von Lichtpunkten – 20, 40 oder mehr –, die in Formation hintereinander über den Himmel ziehen, in sehr gleichmäßigem Takt und Abstand. Beim ersten Mal ist das ein spektakulärer Anblick – und einer der Gründe, warum so viele Leute „Lichterkette am Himmel“ in eine Suchmaschine tippen, weil sie glauben, etwas Seltsames gesehen zu haben.
Worin er sich von der ISS unterscheidet
Wenn du einmal weißt, worauf du achten musst, ist der Unterschied offensichtlich:
- Die ISS ist ein einzelner Punkt. Ein einziges helles, weiß-goldenes, völlig ruhig leuchtendes Objekt, das allein und ohne Begleitung über den Himmel zieht.
- Ein Starlink-Zug besteht aus mehreren Punkten in einer Reihe. Dutzende Satelliten, lichtschwächer als die ISS, aufgereiht und in Formation unterwegs, einer nach dem anderen in regelmäßigen Abständen.
- Die Helligkeit ist anders. Die ISS ist viel heller als jeder einzelne Starlink-Satellit: Ihre riesigen Sonnensegel reflektieren weit mehr Licht als ein einzelner Kommunikationssatellit.
- Die Formation verändert sich mit der Zeit. Ein Starlink-Zug ist nur in seinen ersten Tagen oder Wochen als „Reihe“ zu sehen. Mit der Zeit hebt jeder Satellit seine Umlaufbahn unabhängig an, bis er seine Betriebshöhe erreicht, und die Gruppe zerstreut sich nach und nach, bis sie nicht mehr als Reihe wahrgenommen wird und sich unter die übrigen Satelliten am Himmel mischt – einzeln mit bloßem Auge praktisch unsichtbar.
Faustregel: Siehst du einen einzelnen hellen, ruhig leuchtenden Punkt, ist es die ISS. Siehst du mehrere Punkte in einer Reihe, die gemeinsam vorbeiziehen, ist es ein frisch gestarteter Starlink-Zug.
Wie oft man sie jeweils sieht
Die ISS hat für jede Stadt vorhersagbare Überflüge: Ihre Umlaufbahn ist stabil und seit mehr als zwei Jahrzehnten bekannt, deshalb kann dir jeder Überflug-Rechner – wie unserer – genau sagen, um wie viel Uhr und in welcher Richtung du sie diese Woche sehen wirst. Es gibt Phasen von mehreren Wochen ohne sichtbare Überflüge und Phasen mit hellen Überflügen jede Nacht, aber das lässt sich immer im Voraus berechnen.
Starlink-Züge sind viel unberechenbarer. Ob man sie sieht, hängt direkt davon ab, ob es kürzlich einen Start gab und in welcher Phase der Verteilung sich die jeweilige Charge befindet. SpaceX startet sehr häufig neue Satellitengruppen, sodass man in Zeiten reger Startaktivität relativ leicht auf einen Zug stößt; zu anderen Zeiten kann es dauern, bis man einen sieht. Anders als bei der ISS gibt es keinen festen Überflugplan: Jeder Zug ist ein vorübergehendes Phänomen, das an einen bestimmten Start gebunden ist.
So genießt du beide Schauspiele
Das Gute: Du musst dich nicht entscheiden – du kannst beides genießen. Nutze unseren Rechner für sichtbare Überflüge, um genau zu erfahren, wann die ISS über deinen Standort fliegt – Uhrzeit, Richtung und maximale Höhe –, und geh mit diesen Infos nach draußen. Und wenn du an einem anderen Abend eine Reihe von Punkten in Formation vorbeiziehen siehst, weißt du jetzt, dass du einen kürzlich gestarteten Starlink-Zug mitten in der Verteilungsphase beobachtest – ein ebenso faszinierendes Phänomen, auch wenn es einen völlig anderen Ursprung hat.
Falls du die ISS noch nie beobachtet hast und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung möchtest – von der Frage, warum sie so hell leuchtet, bis zum Fotografieren mit dem Handy –, haben wir einen kompletten Guide zur ISS-Beobachtung, der alles hier Erklärte ergänzt.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich die ISS oder Starlink sehe?
Achte auf die Anzahl der Punkte. Ein einzelner, heller, ruhig leuchtender Punkt: die ISS. Mehrere aufgereihte Punkte, die gemeinsam hintereinander vorbeiziehen: ein Starlink-Zug. Außerdem ist die ISS deutlich heller als jeder einzelne Starlink-Satellit.
Wie oft sieht man Starlink-Züge?
Das hängt von den jüngsten Starts von SpaceX ab. Direkt nach einem Start, in den ersten Tagen oder Wochen, ist der Zug sehr gut zu sehen; danach verteilen sich die Satelliten auf ihre endgültige Umlaufbahn und sind nicht mehr als Formation zu erkennen. Einen festen Kalender wie bei der ISS gibt es nicht: Die Sichtbarkeit hängt an der Startaktivität.
Sind Starlink-Satelliten gefährlich oder störend für die Astronomie?
Für Menschen am Boden stellen sie keinerlei Gefahr dar. In der astronomischen und wissenschaftlichen Community sorgen sie aber für Diskussionen, weil ihre Reflexionen Langzeitbelichtungen stören können und sie zur wachsenden Überfüllung der niedrigen Erdumlaufbahn beitragen.
Kann ich vorhersagen, wann ein Starlink-Zug vorbeikommt?
Das ist schwieriger als bei einem ISS-Überflug, denn es hängt davon ab, wann der letzte Start war und in welcher Verteilungsphase sich die jeweilige Satellitengruppe befindet. Es gibt spezialisierte Websites und Apps zur Starlink-Verfolgung, die Vorhersagen auf Basis der jüngsten SpaceX-Starts veröffentlichen.
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